Der sichere Umgang mit Gas, Gasanlagen, Gasgeräten und gasführenden Teilen ist Gebot – besonders im Schadensfall. Eine besondere Herausforderung ist dann allerdings der Umgang mit Schäden, die durch Notsituationen wie Hochwasser, Sturm usw. entstehen. Viele Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen mussten sich dieser Herausforderung bereits stellen.
Uns liegt das Thema Sicherheit natürlich besonders am Herzen. Dementsprechend haben wir Ihnen im Folgenden die Antworten auf die häufigsten Fragen und Lösungen in einem Beitrag gesammelt.
Inhaltsverzeichnis
Fragen im Umgang mit Gasleitungen und Gasinstallationen
Welches Rohrmaterial soll ich für Gasleitungen verwenden?
Nach der Überarbeitung der „Technischen Regeln für Gasinstallationen“ (DVGW-TRGI) im Jahre 2018 sind Gas-Innenleitungen aus reinem Kunststoff innerhalb von Gebäuden nicht mehr zulässig. Möglich sind – je nach Anwendungsfall – Mehrschichtverbundrohre (mit Metallanteil) oder metallene Rohrwerkstoffe.
Wichtig: Auch in Sonder- bzw. Notfällen gilt, dass eine Gasinstallation regelkonform und fachgerecht ausgeführt werden muss. Wenn es schnell gehen muss, ist oft nicht das „schnellste Rohrmaterial“ entscheidend, sondern ein sicherer, regelwerkskonformer Aufbau inkl. Dichtheitsprüfung und korrekter Dimensionierung.
Unser Tipp: Bei provisorischen Lösungen (z. B. temporärer Heizbetrieb) sind häufig Flaschenanlagen mit zugelassenem Regler, kurzer Anschlussleitung und sicherer Aufstellung die praktikablere und sichere Option – statt „schnell“ neue Leitungen zu verlegen.
Kann ich flexible Schlauchleitungen für eine Gasinstallation nehmen?
Für den Anschluss von Gasgeräten bzw. Gasflaschen gilt grundsätzlich: Schlauchleitungen dürfen nur kurz und zweckentsprechend eingesetzt werden. In Haushaltsanwendungen wird für Schlauchleitungen aus Gummi/Kunststoff häufig eine maximale Länge von 40 cm genannt – insbesondere im Flüssiggas-Bereich. Längere Schlauchstrecken erhöhen das Risiko von Beschädigungen und Leckagen.
Achten Sie außerdem darauf:
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Schlauch nur mit Zulassung/Norm verwenden (z. B. geeignete Schlauchtypen für Flüssiggas).
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Schlauch spannungsfrei, ohne Knicke, nicht an heißen Bauteilen anliegend verlegen.
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Regelmäßig Sichtprüfung durchführen; bei Alterung/Rissen sofort tauschen.
Denken Sie bitte auch daran: Gasschläuche sollten im Privatbereich regelmäßig erneuert werden. Orientieren Sie sich am Herstellerhinweis bzw. an sichtbaren Alterungszeichen – und im Zweifel lieber früher als später tauschen. Gasschläuche z.B. müssen alle 8 bis 10 Jahre ausgetauscht werden.
Kann ich eine Gasinstallation auch selber durchführen?
Auch Privatpersonen können entsprechende Installationen vornehmen. Wichtig hierbei: Prüfen Sie nach Fertigstellung die komplette Anlage auf Leckagen. Verwenden Sie dazu entsprechende, im Handel erhältliche Lecksuchsprays. Eine Absprache mit dem Installateur ist allerdings immer sinnvoll. Bei komplexeren Anlagen empfehlen wir Ihnen, diese direkt durch entsprechendes Fachpersonal installieren zu lassen.
Nochmals eine klare Unterscheidung für eine Installationsdurchführung:
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Erdgas-Installationen im Gebäude (feste Leitungsanlage): Arbeiten daran gehören in die Hände eines eingetragenen Fachbetriebs (VIU) und müssen nach TRGI/Netzbetreiber-Vorgaben erfolgen.
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Flüssiggas-Aufbauten mit Gasflaschen (temporär/provisorisch): Bestimmte einfache Tätigkeiten (z. B. Flasche anschließen, Regler montieren) können Privatpersonen durchführen – wenn sie die Herstelleranleitungen strikt befolgen und anschließend eine sorgfältige Dichtheitskontrolle machen.
Wichtig: Bei komplexeren Anlagen, mehreren Geräten, Leitungsverlegung, Wanddurchführungen, Abgasführung oder Unsicherheiten empfehlen wir dringend, Fachpersonal einzuschalten.
Was muss ich beachten, wenn ich eine Gasinstallation selbst einbaue?
Bei einer entsprechenden Installation ist wichtig zu wissen, wie viele Gasgeräte zum Einsatz kommen bzw. wie viel kW Leistung diese haben. Das entnehmen Sie der Betriebsanleitung oder lesen es direkt am Typenschild ab.
Die Leistung beeinflusst die Durchflussmenge, die ein Regler benötigt, um mehrere Thermen oder andere Gasgeräte gleichzeitig betreiben zu können. So ist sichergestellt, dass die Gasflaschen im dauerhaften Hochbetrieb nicht einfrieren und die Gaszufuhr nicht unterbrochen wird. Bis zu einer Leistung von 18kW reichen einfache Gasdruckminderer mit einer maximalen Durchflussmenge von 1,5 kg/h.
Wenn Sie eine provisorische Flüssiggas-Versorgung (z. B. mit Flaschen) aufbauen, sind vor allem drei Punkte entscheidend, die Sie in jedem Falle beachten sollten:
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Gesamtleistung / Bedarf
Ermitteln Sie, welche Gasgeräte betrieben werden sollen und welche Leistung (kW) diese haben. Das finden Sie in der Betriebsanleitung oder am Typenschild. -
Passender Druckregler und ausreichender Durchfluss
Die Leistung beeinflusst die Durchflussmenge, die ein Regler liefern muss, damit mehrere Geräte zuverlässig laufen – und damit die Gasflasche bei hoher Entnahme nicht „vereist“ (Druckabfall/Leistungsabfall).
Als grober Richtwert gilt: 1 kg Propan pro Stunde entspricht ca. 12,9 kW Heizleistung.
Ein Regler mit 1,5 kg/h entspricht damit grob ~19 kW verfügbarer Leistung (je nach Gasart/Temperatur/Anlagenaufbau). -
Dichtheitskontrolle
Prüfen Sie nach jeder Montage/Änderung alle Verbindungen mit geeignetem Lecksuchspray (oder Lecksuchmittel) – und achten Sie auf die richtige Dichtung, saubere Gewinde und korrekte Verschraubung.
Provisorischer Einsatz von Gasflaschen – was ist zu beachten?
Wie lange kann ich mit einer Gasflasche heizen?
Beachten Sie stets, wie lange Sie mit der vorhandenen Gasflasche heizen können, um einen Leerlauf zu vermeiden. Als Richtwert:
1 kg Propan pro Stunde ≈ 12,9 kW.
Einige Niederdruckregler sind auf max. 1,5 kg/h ausgelegt (≈ ~19 kW). Für Geräte/Setups mit höherem Bedarf benötigen Sie einen entsprechend ausgelegten Regler – und häufig auch eine leistungsfähigere Flaschenanlage.
Wie viel Gas ist noch in der Flasche enthalten? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. In unserem Artikel “Füllstand einer Gasflasche messen” finden Sie weitere Informationen dazu.
Was sind die Vorteile einer Zweiflaschenanlage?
Sollte keine Möglichkeit bestehen, einen Gastank zu integrieren, kann man sich mit einer sogenannten Zweiflaschenanlage behelfen.
Die große Stärke der Gasversorgung mit zwei Flaschen liegt in ihrer durchgehenden Versorgung der angeschlossenen Verbraucher: Nähert sich eine Flasche dem Ende, kann die zweite Flasche weiterhin die Versorgung übernehmen, während Sie die erste (leere) Flasche tauschen. Das vermeidet eine Unterbrechung der Gaszufuhr. In unserem Blogartikel zur Umschaltautomatik für Gasflaschen erfahren Sie mehr zu dem Thema.
Wann benötige ich eine Zweiflaschenanlage?
Wenn die angeschlossenen Gasgeräte mehr als 1,5 kg/h an Gas benötigen (also mehr als 19 kW an Gesamtleistung pro Stunde), sollten Sie von einer auf zwei Flaschen umrüsten. So vermeiden Sie das Einfrieren der Gasflasche und die Unterbrechung der Gaszufuhr.
Wichtig: Ob „1,5 kg/h“ wirklich zu wenig ist, hängt nicht nur von kW ab, sondern auch von:
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Außentemperatur/Flaschentemperatur
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Flaschengröße und Verdampfungsleistung
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Leitungsquerschnitt und Länge
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gleichzeitigem Betrieb mehrerer Verbraucher
Wenn Sie höhere Durchflüsse benötigen, kommen Regler mit höherer Leistung in Frage (z. B. 4 kg/h – abhängig vom System und Einsatzzweck). Bitte achten Sie dabei auf die Zulassung, die passende Absicherung (z. B. Sicherheits-/Absperreinrichtungen) und den vorgesehenen Einsatzbereich.
Reicht eine Zweiflaschenanlage auch für größere Wohnräume?
Wenn Sie mehrere Wohnungen oder Gasgeräte gleichzeitig versorgen wollen, ist statt einer Zweiflaschen- eine Vierflaschenanlage zu empfehlen.
Achten Sie besonders auf:
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ausreichenden Leitungsquerschnitt (zu dünn = Druckabfall/Leistungsprobleme),
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kurze und sinnvolle Leitungsführung,
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fachgerechte Wanddurchführungen und Absperrarmaturen.
Verwenden Sie bei Zwei- und Vierflaschenanlagen immer mindestens 12-mm-Rohrleitung, damit der Betrieb einwandfrei funktioniert.
Kann ich eine Mehrflaschenanlage in einen Innenraum stellen?
Wir empfehlen: Mehrflaschenanlagen möglichst im Außenbereich installieren und die Leitung mittels geeigneter Hauswanddurchführung in den Wohnbereich führen. Das minimiert Risiken bei möglichen Gasaustritten und vereinfacht den Flaschenwechsel – gerade bei schweren Flaschen.
Zusätzlich wichtig für Privathaushalte: Im Gebäude sind nur begrenzte Mengen an Flüssiggasflaschen zulässig; häufig gilt z. B. maximal zwei Flaschen mit begrenztem Füllgewicht, wobei nur eine angeschlossen sein darf (Details hängen von Gebäude/Regelwerk/Brandschutz ab).
Flaschen in Räumen unter Erdgleiche (z. B. Keller) sind in der Regel nicht zulässig.
Wir empfehlen Ihnen, einen Flaschenschrank zu installieren. Dieser schützt vor Diebstahl der Flaschen oder einer Manipulation der Anlage.
Was gilt es zu beachten, wenn ich eine Gasflasche austausche?
Wichtig nach Flaschenwechsel: Prüfen Sie die Anlage auf Leckagen mit einem Lecksuchspray. In unserem Tutorial „Gasregler an Gasflasche anschließen“ finden Sie weitere Hinweise und Tipps dazu.
Außenwandöfen
Was muss ich beachten, wenn ich einen Außenwandofen verwenden will?
Gewährleisten Sie bei der Verwendung eines Außenwandofens unbedingt eine korrekte Abgasführung und Verbrennungsluftversorgung gemäß Herstellerangaben. Mit dem Ofen alleine ist es also nicht getan.
Wichtig ist zudem ein ausreichender Abstand zur Wand bzw. ausreichende Hinterlüftung – halten Sie hier mindestens die Herstellerangaben ein, um Hitzestau zu vermeiden.
Wichtig: Informieren Sie sich bei Mietwohnungen im Vorfeld darüber, ob der Einsatz eines Außenwandofens zulässig ist (Vermieter/Brandschutz/Schornsteinfeger-Abnahme, falls erforderlich).
Wie sicher sind Außenwandöfen?
Alle Komponenten eines Außenwandofens unterliegen hohen Anforderungen. Sie enthalten verschiedene Sicherheitseinrichtungen wie:
- Zündsicherungen
- Sauerstoffmangelsicherung
- Flammenüberwachung (Thermoelement)
Bei einer fachgerechten Installation von einem Experten, der ordnungsgemäßen Nutzung und regelmäßiger Wartung sind Außenwandöfen also sichere und flexible Gasgeräte.
Gasheizungen
Was mache ich, wenn in meine Gasheizung Wasser eindringt oder unter Wasser steht?
Schalten Sie Ihre Anlage ab und sperren Sie die Gaszufuhr. Bevor Sie das Gerät wieder einschalten, lassen Sie es unbedingt von einem Experten (Heizungs-/Installationsfachbetrieb) prüfen. Wasserschäden können Heizungen schwer beschädigen. Bei vollständiger Überflutung ist womöglich ein Austausch notwendig. Vergessen Sie außerdem nicht, Ihre Versicherung zu kontaktieren.
Wie kann ich zukünftig Hochwasserschäden an meiner Gasheizung vermeiden?
Grundsätzlich sind Räume, in denen sich Gaszähler, Gasheizung usw. befinden, vor eindringendem Wasser/Hochwasser zu schützen.
Sofern möglich, sollten Sie Gasgeräte rechtzeitig und planmäßig ausschalten lassen und die Gaszufuhr schließen lassen. Schaffen Sie nicht ortsfeste Gegenstände aus gefährdeten Räumen heraus oder sichern Sie sie.
Bei einer Neuplanung der Heizanlage ist gegebenenfalls zu prüfen, ob eine Verlegung der Gasheizung in höher gelegene Bereiche (z. B. Dachgeschoss) möglich und sinnvoll ist.
Gaslecks
Wie erkenne ich ein Gasleck?
Ein Gasleck bemerken Sie häufig durch einen unangenehmen, fauligen oder beißenden Geruch. Erdgas und Propan/Butan sind von Natur aus geruchlos; damit ein Austritt bemerkbar wird, werden Geruchsstoffe zugesetzt (Odorierung).
Was muss ich tun bei einem Gasleck/Gasgeruch?
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Ruhe bewahren
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Kein Feuer (Zigaretten, Kerzen etc.) und Funken vermeiden
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Keine elektrischen Schalter betätigen (Licht, Klingel etc.), keine Geräte ein-/ausstecken
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Wenn gefahrlos möglich: Gashahn schließen (Keller jedoch nicht betreten, wenn dort Gasgeruch vermutet wird)
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Fenster und Türen öffnen, damit das Gas entweichen kann
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Bewohner alarmieren (möglichst ohne elektrische Klingel)
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Haus/Wohnung verlassen
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Feuerwehr (112) anrufen – erst nachdem Sie die Räumlichkeiten verlassen haben
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Gasversorger/Gaslieferanten informieren, sofern die Feuerwehr das nicht übernommen hat
Gibt es körperliche Symptome bei Gasaustritt?
Ein wichtiger Punkt: Gasgeruch (Erdgas/Propan) ist nicht automatisch eine „Gasvergiftung“. Akute Vergiftungsgefahr besteht besonders durch Kohlenmonoxid (CO) – das entsteht bei unvollständiger Verbrennung (z. B. defekte Geräte, schlechte Abgasführung, falsche Nutzung in Innenräumen). CO ist nicht riechbar.
Typische Symptome einer CO-Belastung können sein:
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Kopfschmerzen
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Übelkeit
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Schwindel/Benommenheit
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Herzrasen
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Atemnot
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Bewusstlosigkeit
Bei Verdacht: sofort raus an die frische Luft, 112 wählen.
Fazit und weitere Kurztipps zum Umgang mit Gas
Gas ist und bleibt ein Gefahrengut. Wenn Sie aber die wesentlichen Schritte bei Installation und Betrieb beachten und Dichtigkeitsprüfungen durchführen, dann steht dem sicheren Umgang nichts im Wege. Abschließend folgen noch einige allgemeine Hinweise:
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Gas ist und bleibt ein Gefahrengut. Wenn Sie aber die wesentlichen Schritte bei Installation und Betrieb beachten und Dichtigkeitsprüfungen durchführen, steht dem sicheren Umgang nichts im Wege. Abschließend folgen noch einige allgemeine Hinweise:
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Achten Sie beim Handling mit Gasflaschen darauf, dass Flaschen und sicherheitsrelevante Bauteile (z. B. Ventile/Dichtungen) im Rahmen der Händler-/Betreiberprozesse geprüft werden.
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Mobile Heizöfen sind eine Lösung, um kurzfristig überbrücken zu können. Benutzen Sie diese nur in ausreichend belüfteten Räumen und beachten Sie die Herstellerangaben strikt.
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Bei provisorischer Überbrückung mit flexiblem Schlauch empfehlen wir zusätzlich geeignete Sicherheitsarmaturen (z. B. Schlauchbruchsicherung/Strömungssicherung – abhängig vom System), um unkontrollierten Gasaustritt bei Schlauchschäden zu reduzieren.
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Sie benötigen dringend Licht? Als Notlösung bieten sich zugelassene Aufsatzstrahler für Gasflaschen an – achten Sie auf sicheren Stand, Abstand zu Brennbarem und gute Lüftung.
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Übrigens: Mehr zum Thema einer möglichen Gasknappheit bei Flüssiggas finden Sie ebenfalls bei uns im GASPROFI Magazin.
Weiterführende Informationen und Quellen zum Umgang mit Gas in Not- und Schadensfällen
- Menschen im Ahrtal sollen sich mit Flüssiggas über den Winter retten – SPIEGEL ONLINE vom 18.08.2021
- Ahrtal: EVM macht Probebohrungen für neue Gasleitungen – Artikel auf swr.de vom 23.08.2021
- Tausende Bewohner im Ahrtal im Winter ohne Heizung – Artikel auf faz.net vom 26.08.2021
- Versorgungsstatus und aktuelle Informationen zum Hochwasser von den Energienetzen Mittelrhein
- Hochwasser-Hilfe und Hochwasser-FAQ in Bezug auf Heizungen von Vaillant
- Informationen zu aktuellen Regeln hinsichtlich Gasinstallationen auf ikz.de
- Anleitung zum Aufbau einer Vierflaschenanlage im GOK-Blog
- Der Fachverband Sanitär Heizung Klima Sachsen-Anhalt gibt Informationen zu Hochwasser und Heizungen
- Sicherheitshinweise bei Hochwasser vom THW Ortsverband Bonn-Beuel

